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„Ich dachte, so ist das überall."
Nico ist 45 Jahre alt. Er sitzt an seinem Küchentisch, draußen regnet es - und plötzlich riecht es nach Diesel. Eine Sekunde. Mehr braucht es nicht, und er ist wieder dort.
Als Kind war sein Vater der größte Mann der Welt. LKW-Fahrer, Geschichtenerzähler, der Mann den alle kannten und alle mochten. Die Nächte auf dem Beifahrersitz, die Raststätten, das Motorengeräusch unter der Schlafkoje - das waren die schönsten Erinnerungen seiner Kindheit. Und seine Mutter war einfach immer da: still, zuverlässig, selbstverständlich.
Dann kam der Führerschein.
Aus dem Jungen auf dem Beifahrersitz wurde derjenige, der nachts wartet. Der abgeholt wird angerufen. Der seinen Vater nach Hause fährt - immer wieder, ohne Streit, ohne große Worte, ohne überhaupt zu merken, wie normal all das für ihn geworden ist.
Erst viel später beginnt Nico zu verstehen, was er als Kind nie hinterfragt hat. Dass seine Mutter alleine in Krankenhausnächten gewartet hatte. Dass Schweigen nicht dasselbe ist wie Frieden. Dass Kinder manchmal Aufgaben übernehmen, die nie ihre hätten sein dürfen.
Und dass Normalität nicht bedeutet, dass etwas in Ordnung ist.
Das, was ich für selbstverständlich hielt, war es nicht.
Was normal war ist kein Buch über Dramatik oder große Ausbrüche. Es gibt keinen Schuldigen, keine einfachen Antworten, keine künstlichen Wendungen. Der Vater ist kein böser Mensch - er ist ein Mensch. Die Mutter ist keine Märtyrerin - sie ist einfach immer da.
Die Stärke dieses Romans liegt in dem, was unausgesprochen bleibt: in langen Wartezeiten auf dunklen Parkplätzen, in der Stille einer Küche nach Mitternacht, in einem alten LKW der nach Diesel riecht und nach allem, was einmal war.
Kindheitserinnerungen · Vater-Sohn-Beziehung · Familienalltag und Schweigen · Rollenverschiebung zwischen Eltern und Kindern · Loyalität · Das späte Verstehen der eigenen Kindheit · Erwachsenwerden
Für alle, die in einer Familie aufgewachsen sind, in der vieles funktioniert hat - und in der trotzdem etwas fehlte, ohne dass man es damals hätte benennen können. Für alle, die ihren Vater lieben und trotzdem wissen, dass manches nicht in Ordnung war. Für alle, die ihrer Mutter erst spät wirklich gesehen haben.
Man kann eine Kindheit lieben, ohne alles davon behalten zu müssen.
Literarischer Roman · Empfohlen ab 16 Jahren · ca. 300 Seiten
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