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Genf, Mitte des 16. Jahrhunderts: Johannes Calvin hat die Stadt am Genfersee in eine Bastion des reformierten Glaubens verwandelt. Das Consistoire, das Sittengericht der Reformation, überwacht das Leben jedes Bürgers - jeden Atemzug, jede Begegnung, jede Nacht. In diesem Klima aus Frömmigkeit, Misstrauen und stiller Angst entfaltet Marguerite Delvaux sieben eindringliche Geschichten von Menschen, die zwischen Glauben und Überleben, zwischen Pflicht und Menschlichkeit gefangen sind.Da ist Isabeau Favre, die Wäscherin und Witwe, die einem alten Bekannten eine Decke und ein Glas Wein gibt - und sich vor dem Consistoire für diese schlichte Geste der Gastfreundschaft verantworten muss. Delvaux zeigt meisterhaft, wie ein unschuldiger Moment durch die Maschinerie eines Regimes zermahlen werden kann, das Tugend und Kontrolle nicht mehr voneinander unterscheidet.Die sieben Erzählungen verbinden sich zu einem vielstimmigen Panorama der Stadt und ihrer Bewohner: Handwerker und Kaufleute, Diakone und Dienstboten, Fremde und Einheimische. Alle eint das Leben unter Calvins eiserner Hand - einem System, das den Menschen zum Besseren erziehen will und ihn dabei klein macht.Was diesen Erzählband besonders auszeichnet, ist Delvaux' präzise, kühle Sprache, die niemals anklagt, aber alles sichtbar macht. Die Autorin wertet nicht - sie beobachtet. Und gerade darin liegt die eigentliche Wucht dieser Prosa: in dem, was ungesagt bleibt, in den Pausen zwischen Fragen und Antworten, in den Gesichtern hinter dem Protokoll."Calvins eiserne Hand" ist historische Literatur von hohem Rang - sorgfältig recherchiert, menschlich tief und von erschreckender Aktualität.
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