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Bislang wurden die Todesmarsche von KZ-Haftlingen gegen Ende des Zweiten Weltkriegs lediglich als eine Art Epilog zur nationalsozialistischen Vernichtungspolitik angesehen. Daniel Blatmans grundlegendes Werk zeigt nun, dass sie zwar Teil dieser Politik waren, sich aber in wesentlichen Aspekten davon unterschieden. So waren die Opfer nicht mehr nur Juden, sondern auch Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und politische Haftlinge. Und zum ersten Mal wurde die deutsche Zivilgesellschaft ganz unmittelbar mit dem jahrelangen Volkermord konfrontiert - niemand konnte die endlosen Kolonnen ausgemergelter Haftlinge ubersehen. Blatman analysiert, wie das zunehmende Ziel- und Weisungschaos der NS-Behorden das Geschehen pragte, und er zeigt in bedruckenden Fallstudien beispielsweise zum Massaker im altmarkischen Gardelegen, wie ganz normale Menschen zu Mordern wurden. Blatman zeichnet ein Panorama von moralischem Chaos und ungeheurem Leiden, wie es bislang kaum ein wissenschaftliches Werk ber den Holocaust und den Zweiten Weltkrieg getan hat.Yehuda Bauer
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